Allianz kreiert eigenes soziales Netzwerk

16 März 2012 - 3 Minuten Lesezeit

Der Versicherer will die Potenziale des Web 2.0 für sich nutzen. Nach anfänglichem Widerstand von Führungsebene und Arbeitnehmervertretern startet das Unternehmen die interne Kommunikationsplattform und soziales Netzwerk ASN.

Mehr Effizienz und Schnelligkeit bei der Suche nach Experten im weltweiten Unternehmensreich, beim Austausch von Best- Practice-Lösungen, bei der Projektkoordination und ganz generell bei der Zusammenarbeit der Mitarbeiter sind wesentliche Anwendungsfelder von Allianz Social Network (ASN). Damit will die Allianz laut Alexander Vollert, Vorstand für Betriebsorganisation und IT bei der Allianz Deutschland, künftig ,,das Wissen unserer Mitarbeiter transparent und fruchtbar und damit das ganze Unternehmen produktiver" machen.  

ASN ist ein auf bestehende Software basierendes soziales Netzwerk, erläuterte Michael Wegscheider bei einem Pressegespräch in München. Er ist der Leiter des Projektes, für das die Allianz Deutschland die Federführung hat. Der Unterschied zu den Vorbildern Facebook besteht darin, dass diese Kommunikationsplattform ausschließlich Allianz-Mitarbeitern zur Verfügung steht. ASN sei innerhalb von fünf Monaten entwickelt worden und kostete rund 100 000 Euro. Allerdings sei das Projekt sowohl auf der Führungsebene als auch im Betriebsrat zunächst eher auf Widerstand gestoßen, berichtet er. Noch vor einem Jahr habe es für Web 2.0 kein Budget gegeben.

Nutzung der Yammer-Plattform führt zu Sinneswandel

Der Grund für den plötzlichen Wandel: Vor Jahresfrist habe ein Mitarbeiter aus eigenem Antrieb die Yammer-Plattform ins Unternehmen geholt, berichtet Wegschneider. Das ist ein freies privates soziales Netzwerk, das nach Angaben des US-Anbieters weltweit bereits in über 100 000 Unternehmen für die interne Kommunikation genutzt wird. Innerhalb von drei Monaten habe die Yammer-Anwenderzahl bei der Allianz allein durch Mundpropaganda rund 2 000 erreicht und so praktisch das Handeln der Unternehmensführung erzwungen, um nicht die Kontrolle über diese Entwicklung zu verlieren.

Denn durch Social Media verändern sich nicht nur Märkte, Kundenverhalten und Arbeitswelten, sondern diese Systeme sind auch tendenziell ,,antihierarchisch" mit entsprechenden Auswirkungen auf den Führungsstil, konstatierte Allianz-Vorstand Vollert. Die Allianz habe sich daher entschlossen, ,,aktiver Teil dieses Wandels" zu sein und ,,die kulturellen und technischen Potenziale der sozialen Medien zur nachhaltigen Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit" zu nutzen. Der Blick auf eine Auswertung des Nutzerverhaltens der Yammer-Anwender erleichterte ganz offensichtlich diese Entscheidung. Socializing, wie unternehmensinterner Klatsch und Tratsch dort neudeutsch umschrieben wird, machten nur zwölf Prozent aller Wortmeldungen aus, während alle anderen dem fachlichen Informationsaustausch, der Koordination oder Statusmeldungen sowie konkreten Fragestellungen dienten.

Testphase wird wissenschaftlich begleitet

In Workshops wurden in kleinen Teams spezifische Bedarfsfelder identifiziert und geeignete Umsetzungsstrategien entwickelt, berichtete Wegscheider. Zugleich seien die strategischen Anforderungen des Unternehmens - darunter insbesondere die internationale Einsetzbarkeit bei allen Allianz-Einheiten - definiert worden. Darüber hinaus wurden, unter Einbindung des Betriebsrates, Spielregeln für den Umgang mit ASN durch die Mitarbeiter und die Unternehmensführung bestimmt und technische Sicherheitsstandards festgelegt.

Bis Juni sollen nun in einer Testphase, die von der Universität der Bundeswehr in München wissenschaftlich begleitet wird, zunächst 25 Anwendungsfelder praktisch erprobt und dann eine Evaluierung vorgenommen werden. Aktuare, die für die Industrieversicherungs-Tochter Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) derzeit neue Richtlinien für das Underwriting erarbeiten müssen, sind dabei ebenso eingebunden wie Internet-Redakteure der Gruppe. Auch der Vertrieb ist dabei. Parallel dazu sollen in einer internen Informationskampagne möglichst viele Nutzer von den Nutzungsmöglichkeiten der zunächst auf 10 000 Teilnehmer ausgelegten Plattform überzeugt werden. Die Einführung von ASN für die gesamte Allianz Deutschland ist für die zweite Jahreshälfte vorgesehen.

Speakap the Team

Geschrieben von Speakap the Team