Employee Engagement ist das neue Employer Branding [Gastbeitrag]

30 April 2019 - 7 Minuten Lesezeit

Employee engagement. Der Begriff wird bereits seit mehreren Jahren in Human Resources Abteilungen verwendet, um die Förderung der Mitarbeiterproduktivität und Leistung zu beschreiben. Aber nun verlagert sich der Fokus und der Schwerpunkt liegt auf Mitarbeiterbindung und Employer Branding.

Experten nennen das Ganze die Employee Experience, bei der auch die interne Kommunikation an Bedeutung gewinnt. Die Employee Experience wird durch die Unternehmenskultur geformt - die Prozesse und Indikatoren, die bestimmen ob ein Mitarbeiter im Laufe seiner Karriere motiviert ist (und bleibt).

Wie beim Marketing, wo der Kunde in den Mittelpunkt aller Produkt- und Dienstleistungsstrategien gestellt wird, ist bei diesem Ansatz die Personalisierung der Schlüssel zum Erfolg. Aber hier ersetzt der Mitarbeiter den Kunden. Die Rolle der internen Kommunikation ist jedoch nicht zu unterschätzen, da sie den Ruf des Unternehmens bei den Mitarbeitern und Kunden beeinflusst.

"Der Ruf eines Unternehmens ist ein komplexes Konzept, das darüber hinaus geht, wie ein Unternehmen und die Marke von außen gesehen werden und wie sich die Mitarbeiter verhalten. Es geht auch darum, wie die restliche Organisation die einzelnen Abteilungen wahrnimmt und all diese Bereiche können von einer effektiven internen Kommunikation beeinflusst werden." - Institute of Internal Communication

Digitaler Wandel als Gelegenheit

Am HR-Technologie Markt erleben wir einen signifikanten Anstieg im Marktangebot der Tools und Technologie, die die gesamte Employee Experience und die Mitarbeitermotivation unterstützen. Dadurch verschwimmt die Grenze zwischen interner Kommunikation und anderen Abteilungen, wie Human Resources. Der digitale Wandel zwingt sozusagen die Abteilungen zusammenzuarbeiten, wenn es zu interner Kommunikation, Geschäftsprozessen und digitalen Strategien kommt.

Die steigende Vielfalt an Kommunikationskanälen ist ebenfalls ein Resultat des digitalen Wandels; E-Mail war einmal der Standard-Kommunikationsweg, aber jetzt können Mitarbeiter durch neue Technologien, wie mobile Apps, interne Kommunikationsplattformen und auf Enterprise Social Networks (ESN) zusammenarbeiten. Es wird auch auf Video (-Nachrichten) hohes Augenmerk gelegt, weil solche Inhalte generell Anklang finden und die Tür für Virtual Reality Nachrichten und Machine Learning offen halten.

Der digitale Wandel bietet der internen Kommunikation die Gelegenheit große Datenmengen so zu organisieren, dass sie für automatisierte oder voreingestellte Kommunikation über künstliche Intelligenz (Chatbots) oder für die Personalisierung der online und live Gespräche verwendet werden kann. Es ist allerdings wichtig sich nicht ausschließlich auf die Automatisierung und digitale Technologie zu verlassen – das zerstört die Authentizität und somit das Erlebnis.

Für HR-Abteilungen bedeutet der digitale Wandel ebenfalls, dass die Mitarbeitermotivation gemessen und optimiert werden kann. Die Optimierung geschieht nicht nur durch das Angebot der richtigen Tools und Trainings, die Mitarbeiter brauchen, sondern auch durch einen personalisierten Ansatz beim Feedback geben, einholen und verarbeiten.

Herausforderungen

Die größten Herausforderungen für sowohl interne Kommunikation als auch Human Resources heutzutage sind laut den Diskussionen in unterschiedlichen Online-Gruppen:

  1. Die unverbundenen Mitarbeiter (von Zuhause aus arbeitend, auf Werksvertrag) die sich mit dem Unternehmen verbinden und ihr Engagement für den Job erhöhen wollen.
    • Lösungen bieten oft ein cloud-basiertes Intranet, Social Enterprise Netzwerk oder Plattformen zur effektiven Zusammenarbeit am Arbeitsplatz, wodurch Unternehmensnachrichten die Mitarbeiter einfach erreichen.
  2. Vielfalt ist ein unterschwelliges Thema, das immer vorhanden sein wird und das unterschiedliche Interpretationen zulässt. Eine Auslegung ist die, der unterschiedlichen Altersklassen am Arbeitsplatz und den damit verbundenen Fähigkeiten und Verhaltensweisen. In der digitalen Zeit neigen Arbeitgeber dazu junge Menschen für neue, digital-zentrierte Rollen, wie Social-Media anzuheuern, weil sie als die „digitale Generation“ gesehen werden.
    • Es wird allerdings argumentiert, dass es genauso wichtig ist sich auf die Trainingsbedürfnisse aller Mitarbeiter zu konzentrieren – wieder ein Thema das HR und Interne Kommunikation betrifft.
  3. Interne Kommunikation und Human Resources Abteilungen haben nicht immer die notwendige Expertise, um erfolgreich zusammenzuarbeiten. Der Markt, aber auch der Wissensstand entwickelt sich rasant. Zusätzlich hat nicht jeder HR oder IT Manager die Zeit sich über die digitalen Innovationen am Laufenden zu halten, besonders wenn der Fokus (noch) auf Prozessen und weniger auf Automatisierung, Analyse und Community Management liegt.
    • Eine mögliche Lösung ist hier, dass diese Expertise nicht notwendigerweise intern gefunden oder aufgebaut werden muss; es kann auch von externen Quellen Hilfe gesucht werden.
  4. Die Menge an digitalen Transformations- Strategien, Methoden, Tools, Technologien und Kanälen führt dazu, dass Experten den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen oder sich sogar von dem Ganzen abwenden.
    • Der Rat anderer Experten ist es externe Hilfe anzunehmen, um herauszufinden was für das Unternehmen, die Langzeitstrategie und Zielgruppe gut passt und funktioniert.

HR und interne Kommunikation wachsen zusammen

Wenn die oben genannten Herausforderungen, mit den Gelegenheiten, die sie mit sich bringen, angenommen werden, konzentriert sich die interne Kommunikation darauf die Employee Experience und das Markenbewusstsein der Mitarbeiter zu verbessern. Themen, wie Wohlbefinden, Feedback, persönliche Entwicklung und Karrieremöglichkeiten erscheinen nun auf der Tagesordung.

Die Mitarbeitermotivation wird dagegen eher sozial als hierarchisch definiert. Die Stimme des Mitarbeiters hat mehr Bedeutung, besonders wenn sein Erlebnis grundlegend für die Motivation ist und das Potential hat zu dem neuen Employer Branding zu werden.

Human Resources bietet währenddessen verlockende Karrieremöglichkeiten, kontinuierlich Anerkennung und Feedback und hilft den Mitarbeitern eine gesunde Work-Life Balance zu finden. Die interne Kommunikation erfährt von Enterprise Social Networks, die Standard-Medien, wie Intranet oder Kollaborationsplattformen für Home Office Mitarbeiter und Personal ergänzen oder ersetzen können.

Darüber hinaus bekommt interne Kommunikation auch mehr Einsichten in Human Resources und Personalmanagement, das von der Gig Economy angekurbelt wird. Die unvermeidbare Zusammenarbeit von HR und interner Kommunikationen resultiert in einer Win-Win-Situation für alle, die an einem motivierten Personal, das auf Langzeit der Fokus vom HR sein wird, interessiert sind. Warum sonst hat SAP Qualtrics für 8 Milliarden Dollar gekauft?

Zusammenfassung

In Zeiten, wo Employer Branding-Seiten wie Glassdoor und Stepstone Arbeitgeber bewerten, sollte Ihr Unternehmen Bescheid wissen, was Ihren Mitarbeitern an der Employee Experience gefällt und was nicht. Die einzige Art das herauszufinden ist mit ihnen zu kommunizieren und die Beziehung mit unmotivierten Mitarbeitern zu verbessern.

Studien zeigen, dass Kandidaten diese Arbeitgeberbewertungen interessant finden. Ein negatives Erlebnis hat eine negative Auswirkung auf ihre Marke. Die Art, in der Sie mit Ihren Mitarbeitern kommunizieren hat einen großen Einfluss darauf, wie sie das Gesamterlebnis des Jobs selbst wahrnehmen. Merken Sie sich: „Gute Mitarbeiter kündigen ihren Manager, nicht den Job“ und wenn Sie Ihre Mitarbeiter wirklich für sich gewinnen wollen, sollten Sie wissen, wer sie sind und was ihre Präferenzen sind.

Mit ihrem Feedback können Sie die Employee Experience optimieren, die Mitarbeiter binden und einen noch persönlicheren Ansatz finden: auf eine nicht-hierarchische Art eine Verbindung mit Ihrem Humankaptial aufbauen.

Es ist dieses Gesamterlebnis, das den Mitarbeitern wichtig ist. Wenn Sie dies messen und optimieren können, dann hat die (digitale) Employee Experience das Potential das neue Employer Branding zu werden.

Von Gastautor Hans Mangelschots, von HR Tech Valley geschrieben.
(für den deutschen Blog von Katy Renner lokalisiert)

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Website des Unternehmens: http://www.hrtechvalley.org/en/

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Hans Mangelschots

Geschrieben von Hans Mangelschots

HR Tech & Trendwatcher | Business Development Manager