Unternehmenskultur in der Gig Economy: Zeitarbeitskräfte vernetzen

12 September 2019 - 7 Minuten Lesezeit

Der Wandel am Arbeitsplatz ist spürbar. Die Tage der Belegschaften, die hauptsächlich aus festangestellten, lang dienenden Mitarbeitern, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, bestanden, sind lange vorbei. Die Zusammensetzung des Personals ist divers und wird in den nächsten Jahren noch viel mehr Vielseitigkeit bringen.

Laut McKinsey sind 20-30% der arbeitenden Menschen in den USA und den EU-15 freiberuflich beschäftigt. Freiberuflich wird dabei so definiert:

  1. Ein höheres Maß an Autonomie
  2. Wird auf Basis von Aufgaben, Aufträgen oder Verkaufszahlen bezahlt, im statt mit regulärem Gehalt.
  3. Es geht um eine kurzfristigere Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Es wird angenommen, dass in den nächsten Jahren mehr als die Hälfte der Arbeitskräfte in den USA und Europa sich als Freiberufler oder Selbstständiger in irgendeiner Hinsicht bezeichnen könnten.

Diese Gig-Economy schnappt traditionellen Firmen Arbeitskräfte weg, warnt die Unternehmensberatung Deloitte in ihrer Millennial-Survey. Sie geht noch einen Schritt weiter: Millennials und Gen Z (ab 1980 bzw. 1995 Geborene) würden für ihre Gigs sogar Festanstellungen verlassen. Von 10.455 Befragten dieser Jahrgänge erwägen 57 Prozent der Millennials und 67 Prozent der Gen Z diesen Schritt– wenn sie denn nicht schon weg sind. Als Ergänzung zu einer Anstellung gefällt das Modell 78 Prozent der Millennials und 77 Prozent der Gen Z.

Warum selbstständige Arbeit so beliebt wird

Wenn wir von Freelancern sprechen, denken wir schnell an bärtige Coder in Hipster-Cafés oder ehrgeizige Digital Natives, die Online Shops starten. Die Realität sieht nicht so einfach aus.

Das Internet hat gewiss den Arbeitsplatz demokratisiert und neue Branchen und Richtungen aufgemacht und gleichzeitig für viele Menschen in traditionellen Bürojobs die Tür geöffnet virtuell von jedem Ort aus jeder Zeit zu arbeiten.

Wir sehen auch einen Zuwachs an Personen mit mehreren Jobs, da sich die Menschen weg von einzelnen Erwerbsquellen und hin zu abwechslungsreicherer Arbeit bewegen. Sie werden mit dem Trendwort „Slashies“ bezeichnet, weil sie zum Beispiel Kellner/Künstler/Hundesitter sind und diese Berufsbezeichnungen durch einen Schrägstrich (Slash) trennen. In Deutschland steigt die Zahl der Personen mit mehr als einem Job auf 3,4 Millionen.

Wieder gibt es eine Tendenz zur Annahme, dass diese Slashies alle Millennials oder Generation Z Mitarbeiter sind, die Autonomie, Flexibilität und Abwechslung von ihrem Job erwarten, Großunternehmen zynisch gegenüberstehen und sich von der totalen Abhängigkeit von einem Arbeitgeber schützen wollen.

Natürlich gehören viele der Nebenjobler zu dieser Gruppe, aber es gibt auch:

  • Jene, die gekämpft haben eine Festanstellung zu finden und entdecken, dass die Schwelle für Neben- und Teilzeitjobs niedriger ist und deshalb mehrere Minijobs machen.
  • Die Arbeitnehmer, die im Hauptjob zu wenig verdienen, um ihre Familien versorgen zu können und einen Nebenjob brauchen, um Ihr Einkommen aufzubessern.
  • Personen, die aufgrund von Verantwortlichkeiten wie Kinder oder der Pflege älterer Familienmitglieder mehr Flexibilität brauchen und so zum Beispiel freiberufliche Home-Office Arbeit mit dem Vermieten eines Zimmers auf AirBnB kombinieren.

Was bedeuten Selbstständige und Slashies für Unternehmen?

Branchen wie der Einzelhandel, das Gastgewerbe, die Unterhaltungsindustrie, Reise und Logistik sind von dieser neuen Form der Belegschaft besonders betroffen, da diese Bereiche zu spezifischen Zeiten im Jahr eine hohe Anzahl an Saisonarbeitern benötigen. Der Großteil davon wird aus einem Pool aus Freiberuflern, Selbstständigen und „Slashies“ gewählt.

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland alleine in der Agrar- und Ernährungswirtschaft über 286.000 Saisonarbeitskräfte eingestellt. Mit den zusätzlichen Mitarbeitern im Einzelhandel rund um die Feiertage und den Lieferunternehmen steigt diese Zahl an.

Mit den sehr niedrigen Arbeitslosenraten und dem Internet, das eine ganz neue Art der Erwerbstätigkeit bietet, viele Jobs davon die attraktiver als die unsozialen Arbeitsstunden, die im Einzelhandel und Gastgewerbe gefordert werden, wird das Ringen um hochqualifizierte Saisonarbeiter immer wettbewerbsintensiver.

Manche Unternehmen bieten den Saisonmitarbeitern die Art von Leistungen, die zuvor nur den Vollzeitmitarbeitern gegönnt waren. Andere bewerben Veranstaltungen, Aktionen oder Belohnungsprogramme speziell für ihre Saisonarbeitskräfte. Klarerweise wird Kultur ein zunehmend wichtiger Faktor, um gute Teilzeitmitarbeiter anzulocken.

Finanzchefs sträuben sich womöglich gegen die Idee Ressourcen in ein besseres Arbeitserlebnis für die Mitarbeiter zu investieren, die nur eine kurze Zeit bei dem Unternehmen bleiben, aber diese Perspektive ist auch kurzsichtig:

  • In vielen Fällen arbeiten diese Mitarbeiter in der Filiale oder dem Checkout, sie servieren Essen und Getränke oder liefern Pakete aus. Mit anderen Worten sind sie –wenn auch nur kurzfristig – für Ihre Kunden das Gesicht Ihrer Marke.
  • Für einen temporären Mitarbeiter dieses Jahr ein unglaubliches Erlebnis zu schaffen bedeutet, dass er nächstes Jahr vielleicht zurückkommt – und damit die Kosten für Suche, Interview und Training eines neuen Mitarbeiters wegfallen.
  • Ein Mitarbeiter, dem sein Erlebnis gefällt, bringt gute Mundpropaganda an seine Freunde, Familie und vielleicht auch seine Online Netzwerke – gute Werbung sowohl für die Produkte und Dienstleistungen Ihres Unternehmens als auch für Sie als Arbeitgeber.
  • Der ausgezeichnete Saisonmitarbeiter von heute könnte der führende Festangestellte von morgen sein. Eine immer flüssigere Definition von Arbeit bedeutet auch, dass Mitarbeiter genau so leicht in eine Festeinstellung wechseln als sie einen neuen Teilzeitjob annehmen.

Tipps, um auch unter den temporären Arbeitskräften Kultur zu schaffen

1. Vergessen Sie die älteren Mitarbeiter nicht

Saisonarbeiter kommen in allen möglichen Formen und Farben, mit verschiedenen Hintergründen, Motivationen und in unterschiedlichem Alter. Unsere Speakap Forschung entdeckte, dass Saisonarbeiter über 45 sich mit ihrem Unternehmen weniger verbunden fühlen als ihre Kollegen unter 34. Dies könnte daran liegen, dass Unternehmen sich mehr Mühe geben jüngere Saisonarbeiter zu motivieren oder, dass die Methoden, die sie verwenden, von älteren Mitarbeitern weniger verwendet oder ihnen weniger vertraut wird.

2. Konzentrieren Sie sich auf das Onboarding

Zeitarbeitskräfte in Unternehmen mit einer hohen Prozentzahl an Saisonarbeitern fühlen sich weniger wertgeschätzt, anerkannt und motiviert als jene in Unternehmen mit weniger Saisonmitarbeitern. Das Onboarding, das von permanenten Managern und HR Mitarbeitern geführt wird, ist die ideale Gelegenheit dies anzusprechen. Sehen Sie sich unsere Tipps für ein großartiges Onboarding Erlebnis an.

3. Geben Sie Feedback so als wären sie Vollzeit-Mitarbeiter

Obwohl niemand unnötig kritisiert werden will, zeigt das Feedback zu der Leistung eines Mitarbeiters, dass Sie in sie als Person investieren. Fest angestellte Mitarbeiter erhalten jährliche oder vierteljährliche Berichte, erschaffen Sie auch Momente, in denen Sie mit Ihren Saisonmitarbeitern zusammenkommen und sie wissen lassen was sie leisten.

4. Schätzen Sie ihre Unbeständigkeit

Viele Unternehmen sehen Saisonmitarbeiter als ein notwendiges Übel, das man tolerieren muss, um die Ferien zu überbrücken, aber mehr nicht. Wenn diese Mitarbeiter allerdings wertgeschätzt werden, kann diese große und sich ständig wandelnde Belegschaft Dynamik und neue Ideen in Ihr Unternehmen bringen. Geben Sie den Mitarbeitern eine Plattform, ob physisch oder virtuell, um offen mit ihren Kollegen und Managern zu kommunizieren.

5. Binden Sie sie in die Kommunikation ein

Selbst wenn temporär, ein Mitarbeiter sollte sich vollkommen als Teil des Teams fühlen während er im Dienst Ihrer Marke steht. Stellen Sie sicher, dass sie Zugang zu all den gleichen Tools und Kommunikationsmitteln haben, wie die Vollzeit-Mitarbeiter. Natürlich müssen Sie ihnen keinen Firmenlaptop schenken, aber der Zugang zu ihrer mobilen Enterprise Social Network kann bereits Wunder wirken.

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Matt Warnock

Geschrieben von Matt Warnock

Matt is an experienced journalist-turned-content marketer who writes about all things tech, SAAS and B2B.