Mein unvergessliches Kundenerlebnis… oder Weihnachten in Australien

19 Dezember 2018 - 11 Minuten Lesezeit

Ein außerordentliches Kundenerlebnis bleibt lange im Gedächtnis und bietet eine gute Geschichte, die immer wieder lustig zu erzählen ist. Unsere Lou erzählt von ihrem letzten großartigen Kundenerlebnis in der Einzelhandelskette Tigerlily. Raten woher sie kommt, wenn es zu Weihnachten Sommer ist… 😊

Es war ein sonniger Sommertag.

Ich war in meiner Heimatstadt über die Weihnachtstage bei meinen Eltern zu Besuch. Meine Mutter sagte sie müsste zum Einkaufzentrum fahren, um ein paar Lebensmitteleinkäufe zu erledigen und ich bat ihr unschuldig an, sie zu begleiten … nicht wissend, welchen Fehler ich beging.

Als wir das Einkaufszentrum betraten, gingen wir an einer großen Abteilung an Geschäften für Frauenmode vorbei, alle hatten sorgfältig gestaltete Auslagen und Plakate, um ihre Sommerangebote zu bewerben. Selbstgefällig widerstand ich all den Geschäften und ihren Angeboten mit Leichtigkeit. (Ich sehe mich selbst als genügsame Konsumentin und versuche, wenn möglich, immer aus zweiter Hand zu kaufen. Außerdem war ich zu der Zeit gerade dabei für einen längeren Urlaub zu sparen, also war mein Budget extrem limitiert.)

Ich widerstand allen, außer einem Geschäft.

My last great customer experience Tigerlily

Als ich den goldenen, hölzernen Türrahmen eines bestimmten Geschäftes sah, wurden meine Knie weich. Der Eingang der Filiale sah aus, wie ein Portal zu einer tropischen Insel an einem weit entfernten Ort. Ich wusste, dass es vorbei war; ich konnte nicht widerstehen, ich musste in meinem Lieblings-Fashionstore stöbern … ein Store, der leider nicht oft Angebote oder Abverkäufe hat.

Wie ein Junkie, der sich selbst überreden muss, dass er kein Problem hat, fragte ich meine Mutter, ob es ihr etwas ausmachen würde, wenn ich kurz reinschaue – wohl wissend, dass sie selbst ein Shopaholic ist und natürlich jede Andeutung meinerseits auf einen Kauf unterstützen würde.

‘Ich schau mich nur um, ich werde nichts kaufen’ versuchte ich mich selbst zu überzeugen. Aber dann hörte ich ihre Stimme.

“Guten Morgen! Willkommen bei Tigerlily!”, die sonnige, aufgeweckte Verkaufsmitarbeiterin lächelte mich an während sie durch die Tür trat, offensichtlich gerade am Beginn ihrer Schicht.

„Kann ich dir heute mit etwas helfen?“

“Danke, ich schau nur,” schnappte ich, ein bisschen zu schnell.

Ich kannte diese Mädchen, sie waren freundlich, hilfsbereit, im Grunde verkörperten sie die Marke, die ich so sehr liebte. Ich konnte es nicht riskieren mich in ein Gespräch verwickeln zu lassen, sie würde mich überzeugen und ich würde mehr Zeit in der Filiale verbringen wollen.

Ich suchte hektisch nach meiner Mutter, um sie da raus zu ziehen – wenn die Verkaufsmitarbeiterin sie ansprach würden wir da nie wieder rauskommen. Aber es war bereits zu spät, sie war schon tief in ein Gespräch verwickelt - mit einer weiteren freundlichen, aufgeweckten Verkaufsmitarbeiterin, die genau gleich aussah wie die erste… sie trugen sogar das gleiche Outfit!

“OH. MEIN. GOTT! Wir tragen das gleiche Outfit!” riefen die Mädels einander zu.

Nein, dies war nicht geplant und war auch kein vorgeschriebener Dresscode. Dies war eine Art Wunder, das ihnen von der sonnengeküssten Göttin der Bikinis und Beachwear Tigerlily selbst vergönnt wurde. Die Mädchen waren außer sich vor Freude, meine Mutter genauso.

„Oh, ihr Mädchen seid soo süß! Und schaut, ihr tragt beide ein ähnliches Top wie meine Tochter! Jetzt stellt euch vor sie hätte den gleichen Rock an wie ihr!“

Nein Mutter, bitte hör auf.

“Ohhh! Ja!” kreischten sie.

Ohhhh, nein.

“Du MUSST diesen Rock anprobieren. Er ist gerade diese Woche reingekommen und jeder ist verrückt danach. Der würde an dir fabelhaft aussehen!“ meinte eines der Mädchen begeistert.

In diesem Moment wusste ich, dass es für mich vorbei war.

Wenn ich von all den Sachen die ich brauchte, oder an diesem Punkt in meinem Leben haben wollte, eine Liste erstellen müsste, dann war ein roter, geblümter, Rüschenminirock mit hunderten unpraktischen Schnüren und einem sehr hohen Preis definitiv nicht dabei. Würde dieser Rock auf einem fünfwöchigen Backpacking-Trip praktisch sein? Ganz sicher nicht.

Aber ich war mit meiner Mutter da.

Meine Mutter, die ich noch immer gerne ihr kleines Mädchen nett anzieht, obwohl ich zu der Zeit 26 war. Ich wusste, ich konnte ihr dieses Vergnügen nicht nehmen, selbst wenn ich wollte… sie würde kein Nein akzeptieren.

Also gab ich nach. Ich probierte den verdammten Rüschenrock an und posierte mit den Mädchen, weil sie ein Foto auf die Instagramseite ihres Unternehmens posten wollten. Der Rock war so blöd und unpraktisch mit all den Schnüren die überall hängen blieben. Aber natürlich gab ich kleib bei, kaufte den verdammten überteuerten Rock und verließ das Geschäft mit dem Schwanz (oder den Schnüren?) zwischen den Beinen.

taerg tsal ym

Die Verkaufsmitarbeiterinnen hatten wirklich ein sehr hübsches Lächeln...

Um fair zu sein, der Rock wurde zu einem meiner Lieblingsteile. Es war mit mir an so vielen Orten, ist getanzt und gehüpft und bringt mir immer viele Komplimente ein. An vielen Glücksmomenten meines Lebens trug ich den Rock und er wird bis heute sehr geliebt.

Wenn ich daran denke, was mich dazu geführt hat den Rock zu kaufen, so war das nicht nur meine fehlende Willensstärke. Ich hatte die Marke ohnehin schon sehr gern und vertraute auf ihre hochqualitativen Produkte, was der Grund war, warum ich überhaupt reingegangen bin. Aber es war das Kundenerlebnis, dass mich dazu bewegte zu bleiben und am Ende nachzugeben.

Die Mädchen in der Filiale hatten ein Ambiente geschaffen, das mir und meiner Mutter einfach ein gutes Gefühl gab. Sie waren bereit dazu einen Teil ihrer Zeit darin zu investieren ein bisschen herumzublödeln, obwohl die Wahrscheinlichkeit gering war dadurch einen Verkauf zu machen. Und sie waren meiner Mutter gegenüber sehr aufmerksam, obwohl sie offensichtlich nicht ihrer Zielgruppe entspricht (nichts gegen dich Mama).

Sie kannten auch die Werte der Marke und versuchten diese Werte in ihrer eigenen Arbeit zu umzusetzen. Der Service, den sie mir baten, fühlte sich an wie eine Erweiterung der Marke, was mich entspannte. Es fühlte sich fast an, als würde ich mit Freunden abhängen und wir würden uns verkleiden - das meine Mutter auch da war machte daraus pure Nostalgie. Natürlich bin ich mir sicher, dass sich die Mädchen dessen nicht bewusst waren, welch ein Gefühl sie damit hervorriefen, aber ich bin mir sicher, dass sie wussten, dass durch ein außerordentlichen Kundenerlebnis, Emotionen geweckt werden, die für jede Person einzigartig sind.

Also ja, das Produkt war nicht etwas, das ich unbedingt gebraucht hätte. Und unter normalen Umständen hätte ich das Geld lieber gespart, als ein überteuertes Kleidungsstück zu kaufen… aber das Erlebnis ist etwas, auf das meine Mutter und ich heute noch zurückblicken und darüber lachen können.

Alles dank der sonnigen, aufgeweckten Verkäuferinnen.

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Louise Blair

Geschrieben von Louise Blair

All the way from "down under" Louise has joined Speakap to help businesses to build better relationships with their workforce. When she's not busy producing the Frontline podcast, you might catch her running... while listening to a podcast.