Fakten zur Sicherheit und Gesundheit in Produktionsbetrieben, die Sie beunruhigen sollten (und werden)

18 Juli 2019 - 6 Minuten Lesezeit

Niemand sollte an seinem Arbeitsplatz verletzt werden. Leider passiert dies aber viel zu häufig. In Deutschland zeigen vorläufige Statistiken für das Jahr 2018, dass über 870.000 Unfälle pro Jahr am Arbeitsplatz geschehen.

Obwohl in den letzten Jahren in diesem Feld große Fortschritte gemacht wurden, bleibt die Produktion eine der riskantesten Branchen, in denen man arbeiten kann. Mehr als zwei Drit­tel aller töd­li­chen Arbeits­un­fälle ereignen sich in den Gewer­be­zwei­gen Bau, Pro­duk­tion, Trans­port und Lage­rung sowie Land-, Forst­wirt­schaft und Fische­rei. Der Durchschnitt über alle Branchen beträgt 1.780 Unfälle pro 100.000 Mitarbeitern, für Produktionsmitarbeiter steigt diese Zahl auf 2.180 pro 100.000 Arbeitern.

In Deutschland und anderen nordeuropäischen Ländern wie Schweden, Finnland und Großbritannien sieht es noch relativ gut aus. Sogar in hoch entwickelten Ländern wie den USA, Portugal, Frankreich und Rumänien ist das Risiko doppelt so hoch.

Die Vielfalt an Risiken in der Produktion

Ein Faktor, der die Produktion im Besonderen risikoreicher macht als andere Branchen, ist die unglaubliche Anzahl an Arten, in denen sich ein Mitarbeiter verletzen kann. Während die meisten Menschen sofort an große Maschinen und Anlagen denken, die riskant sein können, vergessen sie, dass viele Produktionsunternehmen auch mit großen Mengen an hochexplosiven oder gefährlichen Chemikalien arbeiten. Die Produktion von Lebensmitteln hat ein Hygienerisiko und viele Betriebe betreiben den Transport, die Handhabung und Lagerung von riesigen Produktmengen – ebenfalls ein riskantes Unterfangen.

In Australien geschehen 19% der Arbeitsverletzungen in den Muskeln aufgrund von schwerem Heben, 17% sind auch muskulär, aber aufgrund einer wiederholten Bewegung beim Handhaben von Produkten und nicht aufgrund des Gewichtes, während mehr als 40% der Unfälle vom Umgang mit Lebensmitteln oder Metallprodukten geschehen. Die meisten Arbeitsunfälle ereignen sich entweder mit Fahrzeugen oder wenn Personen von herabfallenden Objekten getroffen werden.

Nicht alle Produktionsmitarbeiter stehen vor dem gleichen Risiko. In den USA zählt die Eisen- und Stahlarbeit zu den 10 gefährlichsten Jobs, die man haben kann – ein Platz der mit Waldarbeitern, Dachdeckern und Flugingenieuren geteilt wird - keine andere Produktionsarbeit erscheint in den Top 20.

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Das Gesundheits- und Sicherheitsrisiko reduzieren

Zum Glück stehen Produktionsunternehmern viele Ressourcen, Hilfen und Unterstützung zur Verfügung, um eine bessere, sicherere Umgebungen für ihre Mitarbeiter zu schaffen. Normen und Bestimmungen von Organisationen wie dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und dem Produktsicherheitsgesetz sowie die Rollen der Sicherheitsbeauftragten bieten Produktionsunternehmern einen Rahmen an den sie sich halten können. Am Ende kann der Unternehmer zwar einen risikoarmen Arbeitsplatz gestalten, das Risiko und die Schuld für einen Zwischenfall liegt aber oft bei den Mitarbeitern selbst (und nicht immer bei denen, die verletzt werden). Es gibt aber auch einige Wege, wie dieses menschliche Risiko minimiert werden kann.

Gründliches Pre- und Onboarding

Unglaubliche 28% aller Arbeitsunfälle passieren im ersten Jahr eines Mitarbeiters am neuen Arbeitsplatz, was darauf hinweist, dass mangelnde Erfahrung, fehlende Fachkenntnisse und fehlendes Bewusstsein in punto Sicherheit und Gesundheit eine wichtige Rolle spielen. Ein in Toronto basiertes Institut fand allerdings heraus, dass lediglich 20% der kanadischen Mitarbeiter in den ersten 12 Monaten überhaupt eine Sicherheitsunterweisung bekommen.

Ausgezeichnetes Preboarding und Onboarding sind nicht darauf beschränkt den Neulingen zu erklären, was sie nicht machen sollten und wie man richtig hebt. Produktionsunternehmer sollten diese Gelegenheit nutzen, um ihnen die Vision, Ziele und Kultur des Unternehmens näher zu bringen und besonders um hervorzuheben, dass Sicherheit und Gesundheit bei diesen Werten besonders wichtig sind.

Machen Sie das Training interessant

Ein robustes Onboarding Programm einzuführen und eine Sicherheitsunterweisung verpflichtend zu machen sind gute erste Schritte, aber so erreichen Sie nur wenig. Wenn Sie ehrlich sind, wann fühlten Sie sich das letzte Mal nach einer Sicherheitsunterweisung motiviert oder irgendwas anderes außer gelangweilt? Nach wie vielen Minuten hatten Sie jedes Wort, dass sie gerade gehört haben, bereits vergessen?

Dies bedeutet nicht, dass Sie Zirkusartisten und Stand-Up Comedians brauchen, um eine Sicherheitsunterweisung zu veranstalten, aber forschen sie nach auf welche Arten Ihre Mitarbeiter gerne lernen. Eine Plattform zu bieten, auf der die Mitarbeiter mit kurzen Videos oder spielerischen Lektionen, die in der Mittagspause gemacht werden können, selbstständig lernen können ist zum Beispiel eine wirksame Methode – bis zu 90% der Information werden auf diese Weise dauerhaft aufgenommen.

Fortwährendes Training gewinnt

Der andere Bonus des Microlearnings im Gegensatz zu einer traditionellen Sicherheitseinweisung am Arbeitsplatz ist, dass sie konsequent und fortwährend über einen längeren Zeitraum angeboten werden kann und so das Thema immer präsent bleibt und die Arbeitgeber die Information regelmäßig aktualisieren können, wenn sich Regeln, Bestimmungen oder Arbeitsprozesse ändern.

Das Training sollte sich auf zwei Bereiche konzentrieren: auf Fähigkeiten basierendes Training, das versichert, dass die Mitarbeiter wissen, wie sie ihre Aufgaben sicher und effizient ausführen können und Bewusstseinstraining, so dass sie am breiteren Arbeitsplatz potentielle Risiken identifizieren und vermeiden können.

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Zugang zu Information

Wenn einer Ihrer Mitarbeiter ein zusätzliches Training für eine Maschine braucht oder den besten Arbeitsablauf für eine bestimmte Aufgabe erfahren will, wie schnell würden er die relevante Information finden?

Ob Sie ein Intranet, einen Online-Ordner, ein Enterprise Social Network (ESN) oder eine traditionelle stationäre Dokumentenbibliothek wählen (nicht so mitarbeiterfreundlich heutzutage), dann stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter immer auf die nötigen Informationen zugreifen können wann sie sie brauchen.

Erschaffen Sie eine Kultur des Teilens

Das Schöne daran eine zugängliche, mobile-first Plattform wie ein Intranet oder ESN zu haben, ist dass Mitarbeiter schnell miteinander kommunizieren können. Informationen, die unter Kollegen geteilt werden, werden typischerweise mehr wertgeschätzt und angenommen als Informationen, die von der Führungsebene herabgesandt werden.

Wenn Sie ein ESN haben, ermutigen Sie ihre Sicherheitsbeauftragte die Top Erkenntnisse aus einer Konferenz zu teilen, an der sie kürzlich teilgenommen hat, seien Sie transparent und teilen Sie die Ergebnisse neuester Untersuchungen, so dass Mitarbeiter erkennen können, wo sie sich verbessern müssen oder erstellen Sie eine Gruppe, in der Manager unterschiedlicher Abteilungen Risiken, die sie identifiziert haben, besprechen können und zusammen auf eine Lösung hinarbeiten oder diese präsentieren können.

Gesundheits- und Sicherheitsrisiken zu besprechen ist unangenehm, gefährlich und manchmal Schlimmeres, daher besteht die Tendenz sie unter den Teppich zu kehren, aber Produktionsunternehmer, die in diesem Feld einen ehrlichen Ton angeben, schaffen Kulturen der völligen Transparenz, die in Vertrauen und nicht in Kopfschmerzen enden. Wenn Sie dem Beispiel folgen, schlafen Sie sicher besser.

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Matt Warnock

Geschrieben von Matt Warnock

Matt is an experienced journalist-turned-content marketer who writes about all things tech, SAAS and B2B.